Karrieregipfel: Der Perlentaucher

Er spricht die Sprache der Hotellerie und die seiner Kunden. Er sucht und findet die „Perlen der Gastlichkeit": Frank Kuechler ist Headhunter und Geschäftsführender Gesellschafter von Lost and Found Recruitment Consultants in Düsseldorf, eines der größten „Fundbüros" für Top-Manager in der Hotellerie und Touristik in Deutschland.


Wir tun alles, um im Bereich Hotellerie und Touristik für Key-Manager Wertvolles zu finden und für Unternehmen Verlorenes wiederzugewinnen", betont Frank Kuechler. Und dies auf internationalem Terrain: Die Talentsuche von Lost and Found erstreckt sich neben dem Düsseldorfer Büro auch auf Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Mainz, Stuttgart, Amsterdam, Madrid und Palma de Mallorca. Im Gespräch lehnt sich Frank Kuechler entspannt zurück und meint: Jährlich wickeln wir rund 300 Suchaufträge grenzüberschreitend ab. Dabei fing der 51-Jährige ganz klein an, eher aus Zufall. Er, der als gelernter Hotelkaufmann mit Zusatzausbildung an der Cornell University Inthaka-New York im Sales und Marketing internationaler Hotelgesellschaften tätig war, dann in den operativen Bereich wechselte, die Direktion eines ausländischen Steigenberger-Hotels übernahm und jahrelang als Vice President Sales von Dorint agierte, hatte damals in seiner Position extreme Personalschwierigkeiten zu überwinden. Bei der Suche nach passenden Mitarbeitern zog er einen Personalberater hinzu. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. „Ja, es gab Kandidaten. Aber nicht solche, die ich wollte und auch nicht die geeigneten." Seine Erkenntnis: Ein erfolgreicher Berater muss erfahren sein, umfassende Kontakte und Gespür haben. Sein Gedanke: Warum nicht ich? Er begann „beim Punkt Null" als Ein-Mann-Betrieb in der rheinischen Landeshauptstadt, „strickte" Datenbanken, begab sich auf Kandidatensuche. Wenige Monate später agierte der Betrieb bereits im Zweier-Team, später, vor gut zehn Jahren, überschritt Frank Kuechler die Ländergrenzen - das Vermittlungspotenzial insbesondere im Bereich Vertrieb und Marketing war regional eingeschränkt.

Wider dem Standard
Frank Kuechler ist ein absoluter Insider der gastlichen Branche. Zum Kundenstamm von Lost and Found gehören internationale Hotelkonzerne wie InterContinental, Ritz-Carlton, Four Seasons, Starwood Hotels & Resorts oder Leading Hotels of the World. „Wir sind das bekannteste Büro in Deutschland", meint der Talentscout und begründet den Erfolg mit kompetenter, individueller Beratung, Zuverlässigkeit sowie absoluter Diskretion gegenüber den Auftraggebern und Kandidaten. „Standardlösungen lehnen wir ab. Jeder unserer Consultants war einst selbst langjährig in der Hotellerie und Touristik tätig. Wir können uns mit unseren Auftraggebern identifizieren und maßgeschneiderte Angebote präsentieren." Frank Kuechlers einst „gestrickte Datenbank" für sein Einzelunternehmen ist heute ein unter allen Lost and Found-Büros vernetztes IT-System mit Profilen qualifizierter Fach- und Führungskräfte, die sich auch selbst an den Berater wenden. „Manager für Führungspositionen bewerben sich in den Unternehmen selten direkt", berichtet er. Sie lassen sich also finden. Geeignete Kandidaten spürt das Team auf nationalen und internationalen Branchenveranstaltungen und Messen wie der ITB in Berlin und der Londoner Travel Mart. Das Suchprojekt beginnt jeweils mit einer präzisen, individuellen Analyse der Wünsche und Vorstellungen des Kunden. Erst dann spricht der Headhunter vertraulich einen Kandidaten mit passendem Profil an. Frühestens nach dem zweiten Gespräch können Kunde und Kandidat zusammengebracht werden. Zuvor allerdings hat der Berater die eigene Personalentscheidung durch persönliche Interviews, Referenzprüfung, möglicherweise auch durch einen Eignungstest abgesichert. Dieser Test, der neben Talenten Bereiche wie „Emotionale Stabilität" oder „Risikobereitschaft und Mut" bewertet, habe „schon vielen geholfen, eigene Mängel zu erkennen und Unsicherheiten zu überwinden", weiß Frank Kuechler. Als Full-Service-Beratung kann der vermittelte Kandidat innerhalb seiner Probezeit mit der Unterstützung des Headhunters rechnen. Sollten Kandidat und Kunde doch nicht zusammenpassen, so begibt sich der Berater ohne erneutes Honorar weiter auf die Suche.

Wider dem Workaholic
Frank Kuechler - ein Mann auf der Jagd nach den Perlen der Branche, vertrauenswürdig, seriös, diskret, erfolgreich. „Ich habe nie auf Masse gearbeitet", bekennt er. „Qualität ist seit jeher mein höchstes Gebot. Ich muss Kandidaten und Auftraggeber schützen, und mir ist bewusst, welche Verantwortung ich trage." Dies gelte letztlich auch für Entwicklungen im Wirtschaftsleben. In der derzeitigen Krise würden sich internationale Kunden zwar im operativen Bereich verhalten zeigen, aber nicht im Vertrieb und Marketing. Hier sei die Nachfrage ungebrochen groß. Und weil heute ein bestehendes Arbeitsverhältnis wertvoll ist, sind auch die Kandidaten vorsichtiger geworden. Das bedeutet für den Talentscout ein zeitintensiveres Arbeiten. Frank Kuechler sieht es gelassen: „Wenn mehr Anfragen kommen als bearbeitet werden können, dann müssen wir absagen", sagt er resolut. Ein gestresster Manager? Er sagt nicht nur „Nein", er strahlt es auch aus. Die Arbeit bringe keine Einbußen im Privatleben, betont er. Seine Auszeiten verbringt er mit der Familie und seinen Hobbys: Beim Lesen, Golfen und Skifahren lässt sich schwerlich nach Perlen tauchen - oder doch? Wer weiß.

Gisela Hannig

FIRST CLASS, Ausgabe 1-2/09